Digital braucht Sozial 9: Das KI Paradox in der Kommunikation


Hallo Reader,

willkommen zur neunten Ausgabe von Digital braucht Sozial.

Auch wenn das neue Jahr schon mehr als einen Monat alt ist: Ich wünsche dir ein gutes neues Jahr 2026. Ist ja immerhin die erste Ausgabe des Jahres.

Heute schauen wir uns zwei Themen an:

  1. Im Fokus steht das, was ich als KI-Paradox der Kommunikation bezeichne. In diesem Rahmen beschreibe ich auch, was ich Kommunikatorinnen und Kommunikatoren in Sachen KI-Einsatz empfehle. Kein Tool-Diskussion, schreib mir gerne, wenn dich die interessiert, sondern grundlegende Prinzipien für den Einsatz von KI.
  2. Das zweite Thema dreht sich um die weitere Gestaltung dieses Newsletters. Die lange Pause hatte auch damit zu tun, dass ich mir nicht darüber klar war, wie ich mein Blog und meinen Newsletter so nutze, dass beide Medien genug Nutzen und Mehrwert für meine Leserinnen und Leser, also dich und alle anderen Mitlesenden, bieten. Da habe ich jetzt Klarheit. Damit du entscheiden kannst, ob der Newsletter weiter deine Zeit wert ist, teile ich meine Gedanken dazu mit dir. Und ich brauche dein Feedback zu einer Idee.

Wie immer gilt: Wenn du Fragen zu einem der Themen hast, ein spezielles Thema gerne im Newsletter sehen würdest oder Feedback, Widerspruch und andere Erfahrungen hast, lass es mich gerne per Mail wissen.

Ich freue mich immer über Austausch und konstruktive Diskussionen.

Viele Freude mit der neunten Ausgabe.

Kreativ-reflektierte Grüße,
Christian


💡 Fokusthema: Das KI-Paradox in der Kommunikation

KI-Agenten, KI-Unterstützung, Deepfakes, Texte, die nach ChatGPT klingen, und die fast omnipräsente Frage: „Ist das KI-generiert oder echt?“ begleiten uns in der Kommunikation heute auf Schritt und Tritt.

Natürlich könnten wir uns der KI-Nutzung verschließen, der Ressourcenbedarf von KI-Modellen und großen KI-Anbietern ist dafür ein gutes Argument, von den menschlichen Kosten der KI-Moderation und Content-Auswahl ganz zu schweigen. Doch realistisch und pragmatisch betrachtet ist eine Komplettverweigerung vermutlich weder kurz- noch mittel- noch langfristig sinnvoll.

Generative KI, denn darum drehen sich die meisten Diskussionen und alle eingangs genannten Anwendungsfälle, ist ein sehr mächtiges und wirklich nützliches Werkzeug. Aber eben auch nur das: ein Werkzeug.

3 Aspekte für verantwortungsvollen KI-Einsatz

Wenn du generative KI verantwortungsvoll einsetzen willst, solltest du dir aus meiner Sicht die folgenden drei Aspekte genauer anschauen:

  1. Für welche Aufgaben will ich generative KI wirklich einsetzen? Nach einer strukturierten Testphase, meinen Ablauf dafür siehst du auf dem Bild nach Punkt 3, steht für mich immer die Entscheidung an: Behalte ich diese KI-Nutzung bei oder lasse ich sie wieder weg? In circa 80 Prozent all meiner Tests lautet meine Antwort: Ich lasse sie weg. Klar, macht mancher Workflow mit KI Spaß, aber er bleibt nur, wenn er mich schneller (bei gleicher Qualität), besser oder beides macht.
  2. Welche Modelle und welche Leistung brauche ich wirklich? Ich nutze aus vielen Gründen primär Sozial-KI als deutschen Anbieter und Mistral AI, einen französischen Anbieter, als sekundäres generatives KI-System. Dazu kommen noch einige lokale Modelle und KI-Werkzeuge. Was ich an beiden genannten Anbietern, und der Arbeit mit lokalen Modellen, schätze: Sie raten zu einer bewussten Auswahl von KI-Modellen. Für viele Anwendungen müssen es nicht die großen, ressourcenhungrigen sein. Der geschätzte Karl Kratz, für dessen KI-Community ich zahle und ich ausdrücklich empfehle, hat dazu bereits lesenswerte Gedanken aufgeschrieben.
  3. Wo liegen die Daten und was wird damit gemacht? Wer meine Texte und Gedanken zu privatsphärerespektierender Digitalisierung und KI kennt, wird kaum überrascht sein, dass ich Sozial-KI, Mistral AI und lokale KI auch deshalb nutze, weil ich hier meine Daten entweder gut aufgehoben weiß oder die komplette Kontrolle über sie habe. Auch wenn du „nur“ Social-Media-Beiträge mit KI optimieren lässt, würde ich mir die Unternehmen hinter dem KI-System, ihren Umgang mit Daten und ihre grundsätzliche Haltung genau anschauen.

Ich persönlich nutze KI in meiner Kommunikationsarbeit, sowohl bei sozial-pr als auch beim Caritasverband für das Erzbistum Paderborn, für die folgenden Aufgaben:

  • Generierung von Alt-Texten für Bilder.
  • Untertitelgenerierung für Videos.
  • Optimierung von Social-Media-Posts und Artikeln.
  • Sparringspartner für Konzeptüberprüfung, Krisenvorbereitung und Ideenfindung respektive Konzeptüberarbeitung.
  • Kritische Prüfung von Konzepten und Anträgen.
  • Assistent beim schnellen Festhalten erster Gedanken via Diktierfunktion.
  • Protokoll-Erstellung.
  • Übertrag von Handschrift und Fotoprotokollen ins Digitale.
  • Transkription von Interviews und Aufnahmen.
  • Erste Bildentwürfe oder Bildüberarbeitung.
  • Videobearbeitung in Ausnahmefällen.

Das mag viel klingen, eines fehlt jedoch: die Generierung von Inhalten, die ich direkt redaktionell verwende. Das gibt es bei mir nicht, die Qualitätskontrolle und Finalisierung liegen immer bei mir. All meine Prompts adressieren die Generierung von Entwürfen, nie von fertigen Inhalten. Und wenn viel KI drinsteckt, kennzeichne ich das immer transparent.

Das KI-Paradox in der Kommunikation

Als KI-Paradox bezeichne ich folgende Situation: Ein lauter Teil der Nutzerinnen und Nutzer, ob der Anteil groß ist, lässt sich nicht klar ermitteln, empört sich über Inhalte, die mit KI-Unterstützung oder durch KI erstellt werden, und verdammen Kommunikatorinnen und Kommunikatoren, die KI nutzen.

Gleichzeitig sind es auch diese Nutzerinnen und Nutzer, die mehr Inhalte, bessere Aufbereitung und umfangreicheren Content erwarten – natürlich ohne KI-Einsatz.

Social-Media-Plattformen, zuletzt Instagram durch den Post von Adam Mosseri zum Thema KI, befeuern diese Entwicklung, indem ihre Algorithmen einerseits Frequenz und Masse belohnen – egal was sie offiziell behaupten – und andererseits offensichtlichen KI-Slop, als wirklich schlecht gemachte Inhalte, stehen lassen und auch auf Meldung hin nicht löschen.

Für Kommunikatorinnen und Kommunikatoren mündet das im KI-Paradox.

Einerseits sind wir mit der Erwartung konfrontiert, KI ja nicht zu viel einzusetzen, und hören immer öfter die Frage: „Brauchen wir eigentlich noch menschliche Redakteure? Kann das nicht die KI machen?“.

Andererseits wachsen die Erwartungen an Content-Qualität und -Quantität. Was sinnvoll eingesetzte generative KI an Zeitersparnis und Qualitätsverbesserung bringen kann, wird sofort durch höhere Erwartungen ausgeglichen und übertroffen.

Klar, das war fast immer so bei neuen Entwicklungen, doch bei generativer KI ist es für mich sehr offensichtlich.

Eine Patentlösung für das KI-Paradox in der Kommunikation habe ich nicht. Die folgenden drei Aspekte helfen mir in meiner Arbeit jedoch, ihm zu begegnen:

  1. Den Wert menschlicher Expertise, Erfahrung und Kommunikation kontinuierlich und selbstbewusst deutlich machen und auch organisationsintern immer wieder darauf hinweisen, warum wir gebraucht werden.
  2. Den Wert professioneller Kommunikation für die jeweilige Organisation aufzeigen und am besten an praktischen Beispielen und konkreten Fällen festmachen. Wenn wir nicht für den Wert der Kommunikation eintreten, wer sollte es denn dann tun?
  3. Den Nutzen und die Grenzen generativer KI aufzeigen. Deutlich machen, wofür und auf Basis welcher fachlicher und professioneller Prinzipien wir sie nutzen und wo wir sie bewusst nicht einsetzen, weil sie schlicht nicht gut genug ist.

Wie gesagt, kein Patentrezept, aber offene Gespräche und selbstbewusstes Einstehen für diese Aspekte helfen dabei, das KI-Paradox zumindest einzudämmen.


✅ In eigener Sache: Die Zukunft von Digital braucht sozial

Ich habe ​ein Blog​, ​einen Podcast​ (der wiederbelebt wird, keine Sorge), ​einen YouTube-Kanal​ (Peertube schaue ich mir sehr intensiv an) und diesen Newsletter. Das sind meine Longform-Kanäle.

Von allen genannten haben mein Blog und mein Newsletter zum Jahreswechsel am meisten Kopfzerbrechen bereitet. In meiner Denke sind beide Kanäle so ähnlich, dass mir die Differenzierung schwerfiel.

Doch nach vielen Zeilen handschriftlicher Reflexion stand da ein Gedanke: Back to basics. Okay, es waren zwei Gedanken, denn direkt danach kam KISS (Keep ist Simple, Stupid).

Konkret bedeutet das: Digital braucht sozial erscheint regulär einmal im Monat, zu einem Thema, das aus meiner Sicht relevant für dich als Kommunikatorin oder Kommunikator ist.

Immer konkret, immer praxis- und anwendungsorientiert, immer mit klarer Meinung und Empfehlung. Wenn ich „kommt darauf an“ schreibe, dann folgt direkt, worauf es warum ankommt. Durch die Unterstützung meiner Content Managerin Steffi bin ich zuversichtlich, dass ich den monatlichen Rhythmus zuverlässig einhalten werde.

Es gibt jedoch eine Idee, bei der ich dein Feedback brauche:

Ich überlege, via RSS-Feed auch meine Blogbeiträge als E-Mails über diesen Newsletter zu verschicken. Mich interessiert: Was hältst du davon? Würdest du per Mail informiert werden wollen, wenn es einen neuen Blogartikel gibt, oder wäre das für dich nervig oder redundant? Schreib mir deine Meinung gerne per Mail. Du und die anderen Lesenden entscheiden, ob ich das angehe oder nicht.

Danke für deine Zeit, die du ins Lesen dieses Newsletters - ob ganz oder teilweise - investiert hast. Wenn die Richtung für dich gut klingt, freue ich mich, dich weiter zu meinen Leserinnen und Lesern zu zählen.

Pass auf dich auf, lass dich nicht stressen und vor allem: Viel Spaß bei und an der Kommunikation. :)

Kommunikative Grüße, Christian


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